Mein Krebstagebuch

Mühsame Schritte, Impfungen

November 10, 2009 · Kommentar schreiben

Nach dem langen Liegen im Krankenhausbett beginnt jetzt der langsame und auch ein wenig schmerzhafte Prozess des Muskelaufbaus vor allem in den Beinen und rund um die Wirbelsäule. Da ich im dritten Stock ohne Lift wohne, bin ich – glücklicherweise – zum Training gezwungen. War gestern erstmals ein wenig länger draußen und heute habe ich einen schönen Muskelkater. Aber es wird langsam besser werden.

Ich bin mir derzeit recht unsicher, ob ich mich gegen die saisonale Grippe und gegen die „Schweinegrippe“ impfen lassen soll. Einerseits wird ja beides Krebspatienten empfohlen, andererseits ist mein Immunsystem noch nicht wieder voll hergestellt….

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Es ist – fast – überstanden

November 5, 2009 · 7 Kommentare

Heute wurde ich aus dem Krankenhaus entlassen. Diesmal „für immer“, will bedeuten: Die Therapie ist vorbei, ich muss noch zweimal zu einer ambulanten Nachbehandlung, dann in die PET-CT-Röhre, und dann habe ich das Gröbste wohl hinter mir.

Nach sechs Monaten Krebstherapie fällt es mir nicht leicht, die richtigen Worte zu finden, aber ich möchte mich auf diesem Wege ganz herzlich bei meiner behandelnden Ärztin, Frau Oberärztin Dr. Elisabeth Isak, bedanken, die mich höchst professionell, aber auch sehr freundlich und beeindruckend menschlich durch diese schweren Monate geführt und mich stets über jeden Behandlungsschritt aufgeklärt hat. Ein ganz dickes, von Herzen kommendes Dankeschön auch an die Krankenschwestern und Pfleger, von deren tiefer Humanität ich immer wieder aufs Neue begeistert war und die mir den Aufenthalt so angenehm wie es bei einer Chemotherapie nur sein kann gemacht haben und von denen ich niemals ein böses Wort zu hören bekam, sondern stets nur Aufmunterung und Trost. Ihr (ich hoffe, das Du-Wort ist angebracht) seid großartig!

Manchmal, vor allem ganz zu Beginn und ganz am Ende der Therapie, ging es mir seelisch nicht besonders gut, aber das Team der Onkologie am LKH Klagenfurt hat geholfen, wo und wie es nur geht. In besseren Händen kann man als Kranker nicht sein! Hoffentlich lest ihr das, und hoffentlich lesen das auch die Krankenhausmanager und Politiker. Ich denke nicht, dass ich in Graz oder Wien an eine bessere und humanere  Betreuung geraten wäre.

Ob die Behandlung ein Erfolg war, wird sich erst nach der letzten PET-CT-Untersuchung sagen lassen, doch es sieht ganz gut aus und ich bin optimistisch. Wenn ich mehr weiß, werde ich darüber schreiben, wie auch der Blog generell noch offen bleiben wird, da es zum Thema Krebserkrankung noch viel zu schreiben geben wird, denn auch wenn die Krankheit aus dem Körper verschwunden sein wollte, in der Psyche bleibt sie wohl für immer haften.

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Flasche leer

November 4, 2009 · 1 Kommentar

Leute, ihr habt´s keine Ahnung, wie sehr mir der Krankenhausaufenthalt schon auf den Wecker geht. Ja, es ist zu meinem Besten, aber schön langsam wird es einfach too much mit den Infusionen, der Krankenhausküche und den ewig gleichen Gesichtern. Meine Batterien sind jetzt leer, jeder weitere Tag ist eine Qual.

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White Power

Oktober 27, 2009 · 3 Kommentare

Sie sind wieder da, die Weißen Blutkörperchen! Und sie vermehren sich rasch. Mit ihnen ist auch die körpereigene Abwehrkraft und die Fähgkeit, Stuhlgang zu haben, ohne in Ohmacht zu fallen, zurückgekehrt. Oder wie es meine behandelnde Ärztin bezüglich des Horrortrips der vergangenen Tage ausdrückte: „Das Schlimmste haben sie überstanden“.

Ich hab natürlich immer noch Schmerzen, aber die nehmen langsam ab. Damit machen sie wieder mehr Platz für psychische Wehwehchen…

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You gimme fever…

Oktober 27, 2009 · 1 Kommentar

Gestern Nacht wurde ich wach, weil mir sehr heiß war und ich schwitzte. Ich maß meine Temperatur und stellte fest, dass ich auf über 39 Grad hochgefiebert war. Ich schluckte also Pillen, die das Fieber senken, indem sie das Schwitzen verstärken, und saß dann bald grinsend in einem neuen Pyjama vor einem frisch bezogenen Bett und fühlte mich seltsam zufrieden mit mir und der Welt. Als dann der Ruf der Natur mich auf den Leibstuhl lotste, dachte ich mir nichts weiter dabei, und in der Tat: Zunächst schien ein kleines Wunder geschehen zu sein, denn ich schiss schmerzfrei vor mich hin (genauer: hinter mir hinab). Doch dann, dann lösten sich die Pflaster über der Zyste und ich begann zu jodeln! Ich muss heute mit meiner behandelnden Ärztin reden, denn so kann das nicht weitergehen. Das Ding muss weg, muss neutralisiert werden, muss gleich heute vormitttag zumindest mal vereist werden, damit ich endlich einmal kacken kann, ohne vor Schmerz zu heulen. Entschuldigen sie bitte die derbe Sprache, aber ich bin gereizt.

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Pain pain, & pain

Oktober 26, 2009 · 4 Kommentare

Ich habe heute am Nachmittag die schlimmsten Schmerzen meines bisherigen Lebens durchlitten. Selber schuld! Da ich schon seit einigen Tagen keinen Stuhlgang mehr hatte, beschloss ich, zuerst mittels Zäpfchen, dann mittels Darmspülung eine Wurst zu erzwingen, doch es kam natürlich anders. Das Zäpfchen wirkte gar nicht, und die Spülung bewirkte, dass eine heitere Mischung aus verflüssigtem Kot, Magensäften, Eiter und was weiß ich nicht noch alles mit vollem Druck auf die immer noch offene Zyste gepresst wurde. Es war, als würde man einen brennenden Arm mit Salzsäure löschen. In jenem Augenblick explodierten Farben in meinem Gehirn und als mir klar wurde, dass das Gefühl jetzt für mindestens 15 Minuten anhalten würde, ertrank ich in einer Mixtur aus reinem Schmerz und Vorwürfen an die eigene Trotteligkeit. Ich hätte inzwischen gelernt haben sollen, dass eine Zyste dort unten zu den bei mir immer auftretenden Begleiterscheinungen einer Applasie gehört und dass normaler Stuhlgang erst mit dem Anstieg der Leukozyten zu erwarten ist, wenn die Zyste wieder“verschwindet“.

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Schmerzen, Zorn, Selbstvorwürfe

Oktober 26, 2009 · 1 Kommentar

Sie ist im Anrollen. Eine weitere Depression in meinem an Depressionen nicht armen Leben. „Endspurt“, „bald heimgehen“ – war alles nix. Die Zyste in meinem Analkanal ist aufgeplatzt und wurde verbunden, das war vor drei Tagen, und seither will der Stuhl seinen Gang vorbei an diesem Verband einfach nicht antreten. Dazu kommt, dass ich den verdammten Leibstuhl nicht mehr sehen kann, ohne dass ich Wutanfälle kriege. Klar, der ist hygienischer als ein Klo, das von mehreren Leuten benutzt wird, aber ich bin fast sicher, das ich ein ganz normales WC mit Wasserspülung und einer schönen breiten Sitzfläche brauche, um wieder normal verdauen zu können. Wie ein Geier auf der Stange zu hocken ist jedenfalls nicht mehr meine Vorstellung von einem WC-Besuch. Antibotika allerArt waren meine Freunde in den vergangenen Tagen und meine Temperatur schwankt andauernd zwischen 37 und 38,5 Grad. Fieber bedeutet natürlich, dass ich an eine Entlassung gar nicht erst zu denken brauche, was ja auch ok wäre, würde mir nicht der Arsch so weh tun und könnte ich mich auf ein Klo beamen lassen, wie es von gesunden Menschen benutzt wird. Ok, ok, selber schuld, kann man sagen, denn ich war es ja, der hier herumgenölt hat, wie gerne er in einem Einzelzimmer wäre usw….

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Schmerzfeuerwehr

Oktober 23, 2009 · 2 Kommentare

Woah, Leute, diese Zyste da unten, das ist ein neuer Schmerzrekord. Egal, wie ich mich drehe, was ich belaste,wie ich liege oder sitze – die Zyste schmerzt so sehr, dass es mich fast von den Beinen holt. Meiner behandelnden Ärztin sei Dank bekomme ich Spritzen, die das Schmerzniveau erträglich machen und mich durch den Tag bringen. Danke dafür. Ein RIESENDANKE dafür :-)

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Da muss man durch

Oktober 22, 2009 · 2 Kommentare

Und wieder mal spielt die Musik des Lebens einen ziemlich fiesen Sound: Dachte ich vergangene Woche noch, diese letzte Chemotherapie würde weitgehend frei von Nebenwirkungen bleiben, so liege ich jetzt mit einem peinsamen Durchfall, einer schmerzhaften eiternden Zyste am Hinterteil sowie einem rot-weiß-gescheckten, arg juckenden Ausschlag flach. Außerdem habe ich gestern erfahren, dass dies eben noch nicht das Ende der Therapie ist. Ich muss mir noch zwei Antikörperbehandlungen verpassen lassen (ambulant zum Glück), danach werde ich in die PET-CT-Röhre geschoben und dann, wirklich erst dann, werden wir wissen, ob die Folter der vergangenen Monate was gebracht hat. Verdammt, sie MUSS was gebracht haben, denn mehr Chemo, als ich bekommen habe, geht fast nicht.

Unterdessen versuche ich, die Erniedrigungen, die die Krankheit mit sich bringt, gelassen über mich ergehen zu lassen. „Da muss man durch“, denke ich, während mir Instrumente an Stellen geschoben werden, wo ich lieber keine Instrumente hätte, während ich in den Leibstuhl kacke und später die Nässe von verflüssigtem Kot gemischt mit Eiter in der Unterbuxe fühle, während sich der juckende rot-weiße Ausschlag langsam von den Beinen über den Genitalbereich und den Bauch zum Kopf hocharbeitet. Es ist eine sehr spaßige Krankheit.

On a lighter note: Ich habe derzeit keine ernsthaften Schmerzen. Gut, wenn ich mich direkt auf die Zyste setze, dann sticht das kurz, und der Ausschlag juckt wie nix Gutes. Aber das ist bei weitem nicht vergleichbar mit dem Gefühl, das eine aufgerissene Schleimhaut vermittelt. Ok, jetzt noch durchhalten, bald steigen meine Immunwerte wieder und das sollte Durchfall, Ausschlag und Zyste erledigen. Und dann zunächst mal nachhause!

ps Ich rauche seit mehr als einer Woche nicht mehr. Noch bin ich mir aber unsicher, ob ich mir nach dieser Behandlung nicht wieder eine Stange Zigaretten kaufen soll, denn meine Nerven liegen ziemlich blank.

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Politischer Besuch

Oktober 18, 2009 · 4 Kommentare

Jetzt hat mich doch glatt der Chef der Kärntner SPÖ. Reinhart Rohr, in meinem Krankenzimmer besucht. Das war doch eine schöne Überraschung, und er hat sich mehr als eine Stunde lang Zeit genommen, was für einen Politiker ungewöhnlich lange ist. Wir haben uns über vieles unterhalten, in erster Linie natürlich über Politik, und ich habe mich dafür entschuldigt, dass ich damals, nach der Wahlniederlage  im März, in einem Gastkommentar seinen Kopf gefordert hatte. Ich weiß nicht, ob all die Dinge und Pläne, von denen Rohr mir erzählt hat, funktioneren werden. Ich weiß nicht, ob er der geeignetste Mann an der Spitze der Sozialdemokraten ist. Aber eines weiß ich: Reinhart Rohr ist einer der letzten Ehrenmänner in einem Berufsstand, der vor Lumpen und geldgeilen Karrieregeiern nur so wimmelt.

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